NEWS





Zurück

Duck Baker
Folk ist Jazz ist Folk
(1998)

Von Hans-Jürgen Schaal

Wenn Sie Fingerstyle-Pickers für harmlose Traditionalisten halten, dann kennen Sie Duck Baker noch nicht. Der Mann spielte in den 70ern Free Jazz mit Gitarren-Kollege Eugene Chadbourne und ist auf einer von dessen frühen Platten zu hören, "Guitar Trios". Dann folgte er Chadbourne nach New York und traf dort John Zorn. Ducks Fazit: "Eugenes Musik war schwierig, aber Johns Musik war unglaublich schwierig. Wir probten eine Woche lang und spielten dann in so einem Loft für 8 Dollar pro Nase. Ich dachte damals: Gott, wie sollen die Jungs hier überleben! Gut, daß ich in Folk-Clubs spielen kann! Das Witzige ist: John hat wahnsinnig Karriere gemacht, und ich spiele noch immer in Folk-Clubs!"

Folk-Clubs sind ja kein schlechter Ort für einen Fingerpicker: Duck Baker hat Fiddle Tunes, Country, Bluegrass, Ragtimes und Gospel im Programm, er durchforscht die Tradition, transkribiert alte Stücke, macht Lehrbücher und Lehrvideos. Doch sobald der Mann auf die verrückte Idee kommt, Jazz-Improvisationen im Fingerstyle zu spielen, bekommt er regelmäßig Probleme - nicht nur mit Folk-Freunden, auch mit Jazz-Fans. "Fingerpicking ist eine andere Definition der Gitarre. Wenn ich gleichzeitig meine Baßwechsel spiele, finden das Jazz- und Bluesfans altmodisch. Deshalb sind wir Fingerpicker unsere größten Anhänger und bilden eine ganz eigene Szene."

Fingerstyle übersetzt Klavier-Techniken auf die Gitarre, und Jazz-Pianisten sind Ducks größte Inspiration geblieben: Musiker wie Randy Weston, Bud Powell, Andrew Hill, Elmo Hope oder Abdullah Ibrahim. Für John Zorns Label "Avant" nahm er sogar eine ganze CD mit Stücken von Herbie Nichols auf. "Das war das Schwierigste, was ich je gemacht habe, zwei Jahre Arbeit. Fast alles mußte transponiert werden: Es war, als müßte ich neu Gitarre lernen." Oder er spielt Monks "Light Blue": moderne Dissonanzen als Country Blues. "Die Folk-Technik steckt bei Monk schon drin", glaubt der Gitarrist. "Wenn Monk den Blues spielt, klingt er wie ein Gospel-Pianist. Ich will nicht verschiedene Stile mixen, ich will zeigen, daß das alles der gleiche Stil ist. Jazz ist Folk Music, und wer etwas anderes behauptet, tut niemandem einen Gefallen."

© 1998, 2002 Hans-Jürgen Schaal


Bild

14.01.2018
15.01., 22.04 Uhr, WDR 3 Jazz & World: Der Klarinettist PEE WEE RUSSELL

14.01.2018
Über das DENIS GÄBEL Quartet in Germering: "Lebendiger Jazz vom Allerfeinsten. Die Stadthalle ist mit einem Paukenschlag in die neue Jazz-Saison gestartet. Es war eine Demonstration dessen, welche musikalische Kraft und Vielfalt Jazz ein gutes Jahrhundert nach der ersten verbürgten Dokumentation auf Schallplatte erreicht hat" - Klaus Greif (Münchner Merkur)

11.01.2018
12.01., 19.30 Uhr, Stadthalle Germering: das DENIS GÄBEL QUARTET

05.01.2018
Mehr Jazz im Januar: RUDI MAHALL & Die Enttäuschung, LORENZ KELLHUBER, IRÈNE SCHWEIZER & JOEY BARON, AKI RISSANEN (alle: Jazzthetik 1/18) sowie das JAZZ-JAHR 1958 mit Coleman, Taylor, Rollins (Image Hifi 139)

mehr News

© '02-'18 hjs-jazz.de