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Nicht alles ist richtig und wichtig, was in den Jazz-Lexika steht. Hier erfahren Sie die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

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Jazz-Geschichte im Visier
(1999)

Von Hans-Jürgen Schaal

Vor 50 Jahren

3. Januar 1949: Die Ära des Cool Jazz beginnt. Lennie Tristano, Billy Bauer, Shelly Manne und andere Cool-Musiker belegen bereits erste Plätze im Metronome-Poll. Altsax-Sieger Charlie Parker beweist diplomatisches Geschick, indem er mit der neuen Konkurrenz den Song zur Feierstunde erarbeitet ("Victory Ball") und sich dabei promotionwirksam ablichten läßt. Tristano findet auf diese Weise Geschmack am Altsaxophon und engagiert kurz darauf Lee Konitz für seine Band. Pech für Charlie: Beim nächsten Poll liegt er nur noch auf Platz 2 - hinter Konitz.

Vor 40 Jahren

2. März 1959: Mit "Kind of Blue" entsteht das Meisterwerk des modalen Jazz. Dabei beginnt alles mit einem Mißgeschick: Weil Miles Davis die Noten im Taxi vergessen hat, spielt man im ersten Stück nur ein paar Riffs in C-Dur. Wynton Kelly, der nicht mitmachen darf, nörgelt: "Das klingt ja wie das Amen in der Kirche." Eine Diskussion über die Bridge unterbindet Miles mit den Worten: "Wir spielen einfach dorisch über Es." Als das Ding im Kasten ist und keiner recht weiß, was das sollte, sagt Coltrane: "So what?" Miles akzeptiert den Titel.

Vor 30 Jahren

1. Februar 1969: Joshua Redman erblickt das Licht der Welt. Sein Vater Dewey hält sich gerade an der Ostküste auf und kann mit seinem Söhnchen zunächst nur übers Telefon kommunizieren. Im Überschwang seines Glücks bläst er ein paar Phrasen von "My Little Suede Shoes" in den Hörer, das Baby wird sofort aufmerksam. Als das Saxophon verstummt, antwortet der Kleine mit einem nervenden Plärrton. Kommentar des lauschenden Vaters: "Seine Phrasierung ist langweilig, aber das B ist sauber. Vielleicht sollte ich besser mein Horn danach stimmen."

Vor 20 Jahren

31. Januar 1979: Der Gitarrist Grant Green stirbt und begründet damit seinen künstlerischen Nachruhm. Lange Zeit stand Greens Karriere unter einem unglücklichen Stern. Bekam er gute Kritiken, verkaufte er schlecht; hatte er Erfolg, erntete er nur Verrisse. Sein Produzent schlug deshalb ein zeitliches Splitting vor: kommerziellen Erfolg jetzt, kritische Anerkennung später. Daraufhin machte Green nur noch tanzbare Musik mit Hammond-Orgel. Die Aufnahmen mit Sonny Clark aber werden erst nach seinem Tod veröffentlicht und begeistern dann die Kritiker.

Vor 10 Jahren

16. Januar 1989: Der Jazz gilt wieder etwas in Deutschland. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen widmet der swingenden Musik sogar eine eigene Sendereihe, den ZDF JazzClub. In der ersten Magazin-Sendung wird den Zuschauern als besonderer Clou ein Preis für ihr bestes Jazz-Foto versprochen: ein Wochenende in einem Jazzclub. Zur Wahl stehen der Jazzkeller in Gernsbach, der Kulturraum in Kronach und der Gemütliche Heinrich in Weyhausen. Alle drei Lokalitäten hatten beim Sender einen Wochenend-Bedarf an billigen Spülhilfen angemeldet.

© 1999, 2002 Hans-Jürgen Schaal


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