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Leni Stern
Reise ins Abenteuer
(1999)

Von Hans-Jürgen Schaal

Aufgewachsen ist sie in München-Bogenhausen, war das zweite von sieben Geschwistern, fühlte früh den Wunsch auszubrechen, einfach abzuhauen, die Gitarre unterm Arm. Dann durfte sie auf die Schauspiel-Schule, bekam eine Hauptrolle in der Fernsehserie "Goldener Sonntag" mit Hanns Dieter Hüsch und mußte sich entscheiden: Kamera oder Musik. "Ich ging dann versuchsweise nach Berklee, zwei Semester, kam noch einmal zurück, drehte weitere 17 Folgen, und dann beschloß ich: Ich will keine Schauspielerin sein, die ein bißchen Gitarre kann, sondern lieber eine Gitarristin, die sich vor der Kamera auskennt." Die Fernseh-Honorare vom Südfunk Stuttgart ermöglichten den Karriere-Wechsel: das Studium in Boston.

Dort sagte die Studentin aus Deutschland eines Tages zu ihrem Gitarrenlehrer, keinem Geringeren als Bill Frisell, sie wolle unbedingt auch richtigen Südstaaten-Funk lernen. Bill empfahl sie an seinen alten Freund Mike Stern, und dessen Stunden boten nicht nur musikalische Anregung: "Ich war seine am besten angezogene Schülerin. Für ihn habe ich mich immer im Liegen in die engsten Jeans reingequetscht." Ihre vorbildliche Vorbereitung auf den Unterricht wurde schließlich auch belohnt: Aus Magdalena Thora wurde Leni Stern.

"Mike ist der erste, der meine neuen Stücke hört, und ich bin umgekehrt bei seinen Produktionen dabei. Wir kritisieren uns gegenseitig, aber wir gehen musikalisch getrennte Wege. Wir sind stilistisch auch völlig verschieden. Mike ist mehr die Coltrane-Schule, er liebt die 'sheets of sound', Kaskaden von Noten. Ich bin mehr die Miles-Schule: Warten auf den richtigen Augenblick." Seit 1985 nehmen beide Sterns als Bandleader auf: Mike hatte von Anfang an mehr Erfolg, aber Leni bekam die besseren Kritiken. In der von Power-Machos beherrschten Welt der Fusion-Gitarre war Lenis Talent für ruhige Melodien und sparsame Phrasen eine willkommene Erfrischung.

Die besten Noten erhielt ihre vierte Platte, "Closer To The Light" (1989) - eine Art Überlebens-Therapie nach gerade überstandener Krebs-Operation. "Ich habe während der Chemotherapie eisern weiter aufgenommen. Ich wußte ja nicht, ob ich die Krankheit besiegen würde, und sagte zu mir: Spiel schnell noch ein besseres Solo! Das soll nicht das Letzte sein, was ich hinterlasse! Das hat mich wahrscheinlich am Leben gehalten." Und mehr als das: Inzwischen ist Leni Stern bei ihrem 10. Album angelangt, "Recollection" (BSC/Rough Trade) - ein kleiner Karriere-Rückblick, garniert mit fünf brandneuen Stücken, die vor allem ihr neuestes Abenteuer präsentieren: das Singen.

Zusammen mit Larry John McNally, einem Rockmusiker, baut sich Leni Stern seit drei Jahren ein Repertoire an Songs auf, die stilistisch nur schwer einzugrenzen sind. "Die Popmusiker sagen, das ist der totale Jazz. Die Jazzmusiker sagen, das ist ja schon Pop." Durch das Singen, sagt Leni, sei aber auch ihr Gitarrenspiel viel besser geworden: "Es muß einem die Luft ausgehen, damit man das Phrasieren richtig lernt." Die Anerkennung ließ nicht auf sich warten: Seit 1996 erhielt sie dreimal in Folge den Gibson Award als "Best Female Jazz Guitarist".

(c) 1999, 2003 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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