NEWS





Zurück

Im Mittelpunkt der ersten Aufnahmestudios stand der legendäre große Trichter, in den die Musiker hineinsingen und hineinspielen mussten. An seinem spitzen Ende befand sich ein Stift, der die Vibrationen in eine rotierende Wachsplatte einkratzte und so spiralförmig eine lange Rille im Wachs hinterließ. Die Qualität des Ergebnisses hing stark davon ab, wie die Musiker relativ zum Trichter positioniert waren.

Die frühen Jazzaufnahmen
Stampfen verboten!
(2007)

Von Hans-Jürgen Schaal

Bei King Olivers Aufnahmen mit Louis Armstrong 1923 standen die lauten Trompeter weit im Hintergrund, Armstrong noch einmal vier Meter weiter weg als Oliver. Am problematischsten waren Bass-Instrumente, weil ihre Vibrationen den Stift springen lassen konnten. Bei den Hot-Five-Aufnahmen 1925 verzichtete Armstrong daher lieber gleich auf Tuba und Schlagzeug. Später dämpfte man die Basstrommel gelegentlich mit Stoffdecken. Auch das Stampfen mit dem Fuß war gefährlich, weshalb Studioaufnahmen meist barfuß, in Socken oder auf Kissen gemacht wurden. Dem Klarinettisten Prince Robinson musste man 1928 die Beine fesseln, weil er im Eifer des Spiels immer vom Kissen rutschte, auf dem er stand.

Eine enorme Verbesserung der Klangqualität brachte die elektrische Aufnahmetechnik, die Mitte der zwanziger Jahre den Trichter durch ein Mikrofon ersetzte. Die Vibrationen erreichten den Stift als akustisch verstärktes elektrisches Signal. Ein frühes Experiment mit dieser Technik erlebte Bessie Smith im Columbia-Studio: Weil die Ingenieure von Western Electric das Studio für zu groß hielten, errichteten sie darin ein Zelt. Das Zelt aber stürzte ein, die Musiker kämpften sich verzweifelt frei, und die Zelttechnik wurde nicht weiter verfolgt.

An der geritzten Wachsplatte selbst konnte nichts mehr geändert werden. Auch konnten die Musiker ihre Aufnahme nicht im Studio kontrollieren, denn zu hören war sie erst, nachdem vom Wachsabdruck – über diverse Negativ- und Positivmatrizen – Schallplatten gepresst waren. Diese hörte man dann auf dem Grammophon, das eine genaue Umkehrung der Aufnahmegeräte war: Abnahme des Tons aus der Plattenrille über einen Stift, Wiedergabe über einen Trichter bzw. durch elektrisches Signal und Verstärker. Die frühen Grammophonplatten unterschieden sich in Größe und Geschwindigkeit, aber die Lauflänge war stets auf 3 bis 4 Minuten pro Plattenseite beschränkt.

© 2007, 2011 Hans-Jürgen Schaal


Bild

09.10.2017
Zum 75. Todestag des Komponisten ERVÍN SCHULHOFF (Clarino 10/17)

04.10.2017
07.10., 22.03 Uhr, SWR2 Jazz: CHARLIE MARIANO

02.10.2017
CD-Tipp: YELENA ECKEMOFF auf kultkomplott.de

01.10.2017
Schneller, höher, feuriger: Zum 100. Geburtstag des Jazztrompeters DIZZY GILLESPIE (Clarino 10/2017)

mehr News

© '02-'17 hjs-jazz.de