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Buchprüfung

Auf dem Buchcover lächelt „Bird“ sein schönstes Konfirmanden-Lächeln. Freundlich wirkt er, fast naiv und ein wenig schüchtern in seinem neuen Nadelstreifenanzug, mit der wild gemusterten Krawatte und dem schicken weißen Saxofonmundstück. Dieser so harmlos scheinende Mann war eines der größten Genies des Jazz.

Protokoll des Genialen
Ken Vail: Bird's Diary
(2012)

Von Hans-Jürgen Schaal

Er revolutionierte die Musik, brachte sie auf Hochgeschwindigkeit, schickte sie mit ungekannter Virtuosität in eine neue Galaxis der Harmonien und Melodien. Charlie Parker machte im Bebop das Unmögliche möglich. Der Rest seines Lebens jedoch blieb schieres Chaos: Er hielt Termine nicht ein, schrieb seine Stücke nicht auf, behandelte seinen Blues mit Heroin, bekam Probleme mit Behörden, Gewerkschaften, Labels und Veranstaltern, hatte nie Geld und selten ein Zuhause. Gefängniszellen, psychiatrische Kliniken und Entzugsanstalten lernte er kennen, es wurden ihm Schizophrenie und Psychosen attestiert, er beging einen Selbstmordversuch und führte illegale Ehen. „Bird“ war der tragische Held, der sich verbrannte für den Jazz. Er wurde 34 Jahre alt.

Der britische Journalist Ken Vail hat dieses außerordentliche Musikerleben akribisch dokumentiert. Vor allem „Birds“ letzte zehn Jahre – 1945 bis 1955 – sind fast wie ein Tageskalender aufgezeichnet: die Konzerte, die Plattenaufnahmen, die Vertragsabschlüsse und Reisen, das wirre Privatleben, Zitate und Interviews. Zahlreiche Abbildungen – Fotos, Briefe, Dokumente, Zeitungsausschnitte, Platten- und Konzert-Annoncen, sogar Stadtpläne – machen diese fast 200-seitige Chronik zu einem unerschöpflichen Fundus an jazzgeschichtlichen Informationen, menschlichen Abgründen und zeithistorischen Details. Das gewaltige Rätsel namens Charlie Parker wird dadurch allerdings nicht gelöst, im Gegenteil: Es gewinnt noch von Seite zu Seite an lebendiger Vielfalt und zwiespältiger Faszination. Weil sich Autor Vail keinerlei Kommentare erlaubt, sondern ganz hinter den reinen Fakten des Tagebuchs verschwindet, glaubt man lesend und schauend mitten drin zu sein in einer der spannendsten Epochen des Jazz.

© 2012, 2014 Hans-Jürgen Schaal


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22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

19.09.2020
20.09., 19.18 Uhr, SWR2 Jazz: "All The Things You Are" -- Sendung ist eine Woche online

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