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Musiklexikon:
D – Deep Purple
(2012)

Von Hans-Jürgen Schaal

Bevor Heavy-Metal-Bands neu definiert haben, was Härte, Tempo und Virtuosität in der Rockmusik heißt, gab es immerhin schon den felsenharten Hardrock. Die britische Band Deep Purple galt lange Zeit als Inbegriff eines spieltechnisch kompetenten Hardrock-Quintetts. In ihren besten Jahren, den frühen Siebzigern, beruhte ihr Erfolg auf der kreativen und spannungsreichen Dreiecksbeziehung zwischen Ritchie Blackmore (Gitarren-Nerd und Gitarren-Zerstörer), Jon Lord (verhinderter Bach-Interpret und Jimmy-Smith-Bewunderer) und Ian Gillan (Rockröhre mit Kreisch-Potenzial im Falsett). Deep Purple glänzten mit komplexen Eingangs- und Zwischen-Riffs und federnden Shuffle-Rhythmen und lieferten sogar den ultimativen Stehblues für die Knutschparty („Child In Time“). Ihre ausgedehnten Improvisationen auf E-Gitarre und Hammond-Orgel bewegten sich dabei häufig in Blues-Chorussen („Lazy“, „Maybe I’m A Leo“, „Place In Line“) oder in einer davon abgeleiteten Strophenform.

Auch ihr berühmtestes Riff – „Smoke On The Water“ – beruht auf dem Kern einer Blues-Skala: g-b-c-des. Der Song selbst erzählt von dem gefährlichen Brandunfall, der sich im Dezember 1971 in Montreux während eines Konzerts von Frank Zappa ereignete; die Musiker von Deep Purple befanden sich im angrenzenden Gebäude. Zunehmende Spannungen zwischen zwei Hauptakteuren der Band (Blackmore und Gillan) führten zwei Jahre später zur Auflösung der erfolgreichen zweiten Besetzung (Mark II) und 1976 zum Ende von Deep Purple. 1984 jedoch kam es zur Neugründung der Band, die als professioneller Rock-Seniorenklub bis heute fortbesteht. Nach erneut aufkeimenden Spannungen zwischen zwei Hauptakteuren der Band (immer noch: Blackmore und Gillan) und einer Erkrankung von Jon Lord erhielt das Zombie-Quintett sogar eine dauerhafte Blutauffrischung durch den Gitarristen Steve Morse (seit 1994) und den Keyboarder Don Airey (seit 2002). Die beiden „Neulinge“ drücken den Altersschnitt der Hardrock-Dinosaurier aktuell [2012] auf taufrische 64 Jahre herunter.

© 2012, 2017 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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