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Mit Gott zu Bach!
Alle Musiker glauben an Johann Sebastian
(2011)

Von Hans-Jürgen Schaal

Wir nehmen an, dass Johann Sebastian Bach ein frommer Mann war. Schließlich hat er ja einen Riesenberg an kirchlichen Kantaten und Chorälen hinterlassen, die kaum ein Mensch alle kennen kann. Manche nennen Bach sogar einfach den „Thomaskantor“, als wäre es seine größte Leistung, dass er eine Leipziger Gemeinde Sonntag für Sonntag mit frommer Chormusik sicher durchs Kirchenjahr führte. Da könnte man ihn ja genauso gut den „Köthener Kapellmeister“ nennen. In Köthen entstanden immerhin die sechs Brandenburgischen Konzerte, die Cellosuiten, die Partiten und Sonaten für Violine solo, die zwei- und dreistimmigen Inventionen und der erste Band des Wohltemperierten Klaviers. Auch nicht ganz schlecht, oder?

Wo andächtige Musik erklingt, da sei Gott immer gegenwärtig, meinte Bach selbst. Viele haben auch heute noch das Gefühl, dem Himmel nahe zu sein, wenn sie Bachs Musik hören. Als fünften Evangelisten hat man Bach empfunden, als Erzengel, als himmlischen Trostspender. In seiner Musik öffne sich eine „erhabene und transzendentale Sphäre“, schrieben selbst weniger fromme Bach-Forscher. Es scheint, als gäben Bachs Werke einen Vorgeschmack auf Himmelsklänge und das ewige Leben. Motto: Mit Bach zu Gott!

Nun hat der Köthener Kapellmeister aber auch ein Werk wie „Das Wohltemperierte Klavier“ geschrieben – 24 Präludien und Fugen in allen Dur- und Moll-Tonarten. Um diese Stücke auf ein und demselben Instrument spielen zu können, braucht es die im Titel genannte „wohltemperierte“ Stimmung der Tonhöhen, idealerweise eine „gleichstufige“ mit einem konstanten Frequenzverhältnis (12. Wurzel aus 2). Bach stimmte „sowohl den Flügel als sein Clavichord selbst“, schreibt sein Biograph Forkel. „Dann waren aber auch, wenn er phantasierte, alle 24 Tonarten sein; er machte mit ihnen, was er wollte. Von Härten in der Modulation wusste er nichts.“

Eine solche Temperierung der Tonhöhen verabschiedet sich ganz bewusst von der „reinen“ Stimmung, die sich aus dem physikalischen Naturtonspektrum ergibt, aus der gottgewollten Ordnung der Töne. An die Stelle natürlicher ganzzahliger Frequenzverhältnisse setzt sie die Mathematik irrationaler Zahlen. Bachs Musik korrigierte also den lieben Gott – und schuf damit erst die Grundlage für Mozart, Beethoven, Schubert und alles Weitere.

Glaubt man frommen Darstellungen von Engeln, die pedallose Harfen zupfen oder ventillose Trompeten blasen, sollte man dereinst im Himmel jedenfalls nicht mit Modulationen durch alle 24 Tonarten rechnen. Wer sich Gott nahe fühlt, ist noch lange nicht bei der temperierten Chromatik: Der Himmel kennt nur Naturtöne. Mauricio Kagel sagte einmal: „Nicht alle Musiker glauben an Gott, aber sie alle glauben an Johann Sebastian Bach.“ Vielleicht hat die Musik ihren wahren Himmel nur auf Erden. Genießen Sie sie daher möglichst oft.

© 2011, 2017 Hans-Jürgen Schaal


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