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Songsmiths .15

W.C. Handy
Shakespeare des Blues
(2007)

Von Hans-Jürgen Schaal

Natürlich hat er den Blues nicht erfunden. Aber er war der Erste, der die schwarzen Folksongs und Spirituals sammelte, transkribierte, bearbeitete, arrangierte, publizierte und ins Aufnahmestudio brachte. Die Grenze zwischen Tradition und Eigenprodukt ließ sich da nicht immer ziehen: „Jeder meiner Blues basiert auf irgendeinem alten Song der Schwarzen aus dem Süden“, sagte Handy mit Stolz, „auf etwas, das mir durch den Kopf geht, das ich gedankenlos vor mich hinsumme.“ So floss „Careless Love“ in Handys „Loveless Love“ ein, „Make Me A Pallet On The Floor“ in Handys „Atlanta Blues“. Auch der „Memphis Blues“, mit dem der Mann aus Alabama seinen Durchbruch hatte, beruhte auf einem Folksong: „Mamma Don’t Allow It“. Aus diesem Traditional machte Handy zunächst eine Wahlkampf-Hymne („Mr. Crump“), die trotz des wenig schmeichelhaften Texts („We don’t care what Mr. Crump don’t allow“) mithalf, den Bürgermeister von Memphis in seinem Amt zu bestätigen. 1912 als „Memphis Blues“ publiziert, eroberte das Stück auch New York, verschaffte zahlreichen schwarzen Bands Arbeit am Broadway und inspirierte die Erfindung eines neuen Tanzes: des Bunny Hug, besser bekannt als Foxtrot.

Seinen Weg zur Musik hat sich William Christopher Handy (1873-1958) schwer erkämpfen müssen. Der Sohn freigelassener Sklaven stammte aus einer Predigerfamilie, in der Musizieren streng verpönt war. Trompetespielen lernte er heimlich im Friseurladen, später schlug er sich 25 Jahre lang in den Südstaaten als Minstrelsänger, Musiklehrer und Bandleader durch. Erst 1917 ging er als erfolgreicher Komponist und Verleger nach New York, startete 1920 die Handy Record Company, veröffentlichte 1926 eine Anthologie mit 53 schwarzen Folksongs, präsentierte seine Arrangements 1928 in einem Carnegie-Hall-Konzert und ließ sich als „Vater des Blues“ feiern. Handys Beerdigung 1958 brachte in Harlem 150.000 Menschen auf die Beine. Festivals und Preise wurden nach ihm benannt, man widmete ihm ein Museum, eine Briefmarke, einen Film, eine Statue und sogar einen Park. Aufgrund seines „Beale Street Blues“ (1916) wurde die Beale Avenue in Memphis tatsächlich in Beale Street umbenannt.

Handys erfolgreichster Song ist natürlich der „St. Louis Blues“ von 1912, einer der am häufigsten aufgenommenen Jazz-Standards überhaupt und gelegentlich als der „Hamlet“ des Jazz bezeichnet. Berühmt wurde der „St. Louis Blues“ durch Bessie Smith, die ihn 1925 mit Louis Armstrongs Begleitung einsang sowie 1929 für einen Film, der jahrelang als Vorfilm in den US-Kinos lief und das Stück zu einer zweiten Nationalhymne erhob. Earl Hines spielte den „St. Louis Blues“ als Boogie, unter den Nazis symbolisierte das „Lied vom Blauen Ludwig“ den Widerstand, die Äthiopier machten ihn zur Kriegshymne und König Edward VIII. ließ ihn sogar von seinen schottischen Dudelsäcken blasen.

© 2007, 2020 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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