NEWS





Longtrack

Zum Progrock gehören Tempowechsel, Klassik- und Jazzanklänge, umfangreiche Instrumentalteile und überraschende Instrumente. Weil das alles zusammen kaum in einen Drei-Minuten-Song passt, gibt es den Longtrack.

Deep Purple: April (1969)

Von Adrian Teufelhart

Deep Purple gelten eigentlich als Inbegriff des Hardrock. Doch tatsächlich gab es bei dieser Band von Anfang an viel mehr zu hören als nur Song, Riff und Gitarrensolo. Selbst ein Rockfetzer wie „Speed King“ zum Beispiel besitzt viele zusätzliche Facetten: Er beginnt wie Freejazz, mündet in einen unbegleiteten Orgelteil mit Bach-Zitat, präsentiert im Mittelteil gepflegte, jazzige „Fours“ von Gitarre und Orgel und danach sogar 24 Takte durchkomponierte Gitarrenmelodie.

Auch schon vor der „klassischen“ Mk-II-Besetzung (mit Gillan und Glover) hatten Deep Purple eine Menge Überraschungen im Gepäck. Es gab auf den frühen Alben reine Instrumentalstücke wie „And The Address“, „Happiness“, „Wring That Neck“, „Exposition“ und „Fault Line“. Es gab psychedelische Soundpassagen und Klassik-Adaptionen nach Beethoven, De Falla, Rimsky-Korsakow oder Tschaikowsky. Es gab ausgedehnte Soloteile mit eigenem Tempo oder Rhythmus, auch ein Streichquartett („Anthem“), ein Cembalo („Blind“) oder eine jazzig improvisierende Hammondorgel („Lalena“). Kurzum: Deep Purple lieferten immer schon Prog.

Ihr bis heute umfangreichster Studiotrack mit über 12 Minuten Länge ist „April“ vom Album „Deep Purple“. Die Band beschrieb den Titel einst als „eine Art dreisätziges Konzert“. Man könnte ihn auch eine „dreiteilige Suite am Stück“ nennen, denn die Sätze gehen nicht ohne Witz ineinander über und wirken wie Variationen derselben melancholischen Stimmung.

Der dritte und kürzeste Teil ist der eigentliche, ganz pure Rocksong – mit der erstaunlichen Text-Essenz „Springtime is the season of the night“ und mit abschließendem Gitarrensolo. Im ersten Teil von „April“ hat dieser Song aber bereits eine charmante instrumentale Ausdeutung erfahren. Klavier, Orgel und mehrere Gitarren (akustisch und elektrisch) fantasieren dort zu einem sparsamen, markanten Paukenrhythmus über die Akkordfolgen des Songs. Apart klingen die Übergänge nach 2:00 und 3:45, ebenso die Chor-Einsätze – ein durchaus originelles und noch heute kaum angestaubtes Klangkonzept.

Noch ungewöhnlicher allerdings ist der mittlere Teil der „April“-Suite: Jon Lords kleine Kammermusik für zwölf Orchesterinstrumente mit Solostellen für Englischhorn und Querflöte. Diese klassisch instrumentierte Episode in mehreren Abschnitten ist zwar wie ein Popstück komponiert und hat gar nichts Barockes an sich. Durch das holzbläserlastige Ensemble aber klingt dieser Mittelteil überraschend rau und altertümelnd. Bizarr und organisch zugleich fügt er sich zwischen die beiden elektrischen Parts der „April“-Suite.

Erschienen in: Fidelity 23 (2016)
© 2016, 2019 Hans-Jürgen Schaal


Bild

23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

mehr News

© '02-'20 hjs-jazz.de