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Rockidelity

Deep Purple: Now What?! (2013)

Von Adrian Teufelhart

„Time, it does not matter.“ Kein schlechter Albumanfang für eine Band, die gegründet wurde, als Stefan Raab kaum zwei Jahre alt war und Pep Guardiola noch nicht einmal geboren. Damals wurde Rockmusik für den akuten Ausdruck einer jungen Generation gehalten und nicht für eine Lebenshaltung, mit der man alt werden kann. Als einziges Gründungsmitglied der Band ist Ian Paice, der Schlagzeuger, noch übrig, jetzt also Mister Deep Purple persönlich. Ian Gillan und Roger Glover sind fast so lange mit dabei, aber fehlten zwischendurch für etliche Jahre. Der Benjamin der Band, Gitarrist Steve Morse, feiert bald sein 20-jähriges Purple-Jubiläum: Er war es, der Deep Purple in den Neunzigern wieder auf den direkten, rockenden Pfad brachte und zugleich mit seiner sehr amerikanischen Virtuosität ganz neue Saiten aufzog. Auch schon seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Keyboarder Don Airey dazu, der englische Rockveteran, der den nur vier Jahre älteren Jon Lord ersetzt hat. Durchschnittsalter der aktuellen Band: 65 Jahre.

Eine Legende wie Deep Purple ist in der eigenen Geschichte gefangen. Diese Band kann und darf sich nicht mehr neu erfinden – und doch muss sie immer wieder für kleine Überraschungen gut sein, um nicht zu nerven. Die Gratwanderung, so viel darf man sagen, ist dem Quintett auf „Now What?!“ (ear Music 0208486ERE) durchaus geglückt. Für die alten Fans gibt es die rockigen Grooves und griffigen Riffs und kleinen Nebenmotive, die immer Deep Purples Stärke waren: „Out Of Hand“, „Hell To Pay“, „Bodyline“ oder „Après Vous“ erneuern ein angenehmes Déja vu. Auch klingt Ian Gillan, der Sänger-Opa, immer noch nach Ian Gillan – nicht wirklich melodisch, mehr so dieser harmonisierte Sprechgesang. Ganz zum Schluss wagt er sogar noch mal den Falsettschrei. Na ja, es ist ein Song über Untote.

Frisch wie Blackmore und Lord in ihren besten Tagen (1972?) riffen, tänzeln und strahlen die beiden Instrumentalsolisten. Morse zielt nicht mehr so sehr auf Verblüffung wie früher, packt aber genug in seine Soli, um zu fesseln. Airey beherrscht an der Orgel die ganze Trickkiste des verewigten Jon Lord, das Bluesige, das Barocke, das Fauchige, und setzt außerdem ein paar schöne synthetische Farbtupfer: falsche Streicher, falsche Kirchenorgel, elektrisches Klavier („Blood From A Stone“), sogar ein hübsches Synthie-Solo („Weirdistan“). Mögen auch die Balladen ein wenig langweilen und die Geniestreiche fehlen: Es gibt sie, die neuen Töne, die unerwarteten, die aufhorchen lassen. Etwa die Instrumentalpassagen in „Blood From A Stone“ und „Après Vous“ – oder die Tatsache, dass ein Purple-Album auch einmal ruhig und sanft beginnen kann. Erst als die Zeitanzeige auf 2:00 springt, wird es laut, schnell und Purple-hart.

Erschienen in: Fidelity 8 (2013)
© 2013, 2019 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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