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Rockidelity

Deep Purple: inFinite (2017)

Von Adrian Teufelhart

Eine Legende wie Deep Purple ist in der eigenen Geschichte gefangen. Diese Band kann und darf sich nicht mehr neu erfinden – und doch muss sie immer wieder für kleine Überraschungen gut sein, um nicht zu nerven. Die Gratwanderung ist den Hardrock-Senioren jedenfalls geglückt. Ihren alten Fans liefern sie wieder neue Grooves und neue Riffs in derselben Art, die schon immer Deep Purples Markenzeichen war.

Moment mal, habe ich diese Sätze nicht schon vor vier Jahren über das Vorgänger-Album geschrieben? Tatsächlich! Aber wie auch immer – es stimmt auch dieses Mal. Gemessen an den Selbstplagiaten, Studioabfällen und Resterampen, die uns andere Rock-Dinos als neue Alben verkaufen wollen, ist „inFinite“ eine geradezu handfeste, bodenständige Angelegenheit. Das 20. Studioalbum von Deep Purple bietet zehn kompakte Songs im bewährten Gitarre-plus-Orgel-Sound, mit einprägsamen Vokallinien und Refrains, interessanten Soli und zündenden Riffs. Die Grenzen zu Pathos, Kitsch und Kneipen-Sentimentalität werden nur ganz selten gestreift – nicht schlecht für eine Rockband, deren Mitglieder im Durchschnitt 69 Jahre alt sind! Es gibt sogar die eine oder andere Rosine zu finden: ein hübsches Moog-Solo, einen Taktwechsel zu ¾, ein dezentes Jazzfeeling – oder auch ein Wiederhören mit Ian Gillans Mundharmonika (im Doors-Cover „Roadhouse Blues“). Keines der Stücke jedenfalls ist ein Ausfall. Allerdings wird wohl auch keines Kult werden.

Erschienen in: Fidelity 32 (2017)
© 2017, 2019 Hans-Jürgen Schaal


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