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Rockidelity

Steven Wilson: The Raven That Refused To Sing (And Other Stories) (2013)

Von Adrian Teufelhart

Er ist der gute Geist im Hintergrund, der heimliche Mastermind der aktuellen Prog-Szene. Als Musiker hat er in den letzten Jahren Formationen wie Porcupine Tree und Blackfield ganz entscheidend geprägt. Aber auch als Produzent, Mixer, Remixer, Ratgeber und Studiogast steht Steven Wilson hoch im Kurs. Nicht nur Neo-Prog-Projekte wie Anathema, Opeth, OSI und Paatos vertrauten auf seine Expertise. Auch Veteranen der Szene – darunter Caravan, ELP, Fish, King Crimson, Marillion – zogen ihn gelegentlich zur Mitarbeit heran. Zuletzt machte er den Soundmix für Ian Andersons „TAAB 2“ und sang und zupfte auf Steve Hacketts „Genesis Revisited II“. Und es könnte sein, dass all die Rockklassiker der Siebzigerjahre – von „Aqualung“ über „Tarkus“ bis „Lizard“ – bald nur noch im Steven-Wilson-Remix zu haben sind. Das Schicksal der Szene liegt ganz in seiner Hand.

Seit dem Erfolg seines Albums „Grace For Drowning“ (2011) kommt der 46-jährige Engländer nun auch als Solokünstler weit nach vorne. Sein aktuelles Album „The Raven That Refused To Sing (And Other Stories)“ (kscope 242) verdichtet auf denkwürdige Weise zwei große RetroProg-Traditionen. Der coole, intervallfaule Gesang, der großformatige hypnotische Sog der Musik und die üppigen Gitarren-Exkurse erinnern häufig an die Psycho-Trance-Kultur von Pink Floyd und machen das Album zu einem echten Trip. Die lyrischen Episoden, vertrackten Passagen und jazzigen Einlagen dagegen lassen sofort an die Tüftelfabrik von King Crimson denken, von deren Albumklassikern Wilson bereits mehr als ein halbes Dutzend remixt hat. Sogar das originale MK-II-Mellotron aus Crimson-Beständen hat er sich diesmal ausgeliehen.

Das Erstaunliche ist, dass die Mischung aus Bauch-Sog und Kopf-Akrobatik funktioniert. Besonders die drei Longsongs – „Luminol“, „The Holy Drinker“, „The Watchmaker“ – bieten eine so erfrischende Wechseldusche an Grooves, Stimmungen und Intermezzi, dass man sie schon mal für die Prog-Annalen vormerken sollte. Und gleichzeitig hat das Ganze die Frische einer handgemachten, spontanen Revolte, ausgeführt von einem Elitetrupp abgebrühter, rauflustiger Allround-Musketiere namens Guthrie Govan (Gitarre), Nick Beggs (Bass), Marco Minnemann (Drums), Theo Travis (Gebläse) und Adam Holzman (Keyboards). Travis und Holzman gehen als gestandene Jazzmusiker durch: Wenn diese beiden solistisch loslegen, ersetzt das locker jede Menge Artrock-Gefrickel und Gehirn-Artistik. Eine Bande, die klingt wie ’ne Band.

Erschienen in: Fidelity 8 (2013)
© 2013, 2019 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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